Die kfd Herz-Jesu und St. Elisabeth hatte Franz Peters, selbst ein Kind des Herz-Jesu-Viertels, zu einem Vortrag in das Pfarrzentrum eingeladen. Die ca. 40 Interessierten lauschten seinen anschaulichen Ausführungen mit Spannung. Unterstützt durch zahlreiche Fotos wurde das Thema: „Die ‚Wolbecker‘ – Kriegsende, Wiederaufbau und Alltagskultur in der Zeit von 1945 – 1970“ lebendig.
Die Zuhörenden erfuhren, dass bereits 1943 durch alliierte Truppen große Teile der Wolbecker Straße bis zum Hansaring zerstört wurden, und auch Wohnhäuser an der Margarethenstraße, Sophienstraße und Von-der-Tinnen-Straße zum Teil unbewohnbar waren. Ebenfalls zerstört wurde der Hafen, ein wichtiger Arbeitsplatz für viele Anwohner. Und auch zwischen dem Hansaring und dem Dortmund-Ems-Kanal gab es große Zerstörungen.
In den Jahren 1945 bis 1948 war das Stadtgebiet eine Trümmerlandschaft – die Infrastruktur war zerstört, es fehlten Lebensmittel und auch das Heizmaterial war knapp. Hinzu kam die Wohnungsnot der Rückkehrer, noch verschärft durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen nach Münster. Auch die Kriminalität unter Jugendlichen nahm zu. Es gab auch Rachegefühle einiger Kriegsgefangener für erlittene Misshandlungen, aber ebenso gut behandelte „Fremdarbeiter“, die oft die Familien ihrer „Arbeitgeber“ vor Plünderungen und Übergriffen schützten.
Acht Räumbagger für die ganze Stadt
Nach dem Krieg halfen Hausbesitzer und Nachbarn mit, die Trümmer zu beseitigen, denn Maschinen standen zunächst nicht zur Verfügung. Auch viele andere Menschen halfen, aber noch keine Frauen – ihnen wurde erst später durch ein Gesetz erlaubt, auf dem Bau zu arbeiten. Ab 1946 gab es eine allgemeine Räumpflicht für Männer zwischen 16 und 60 Jahren. 1946 kamen ganze acht Bagger in Münster zum Einsatz, Anfang der 50er Jahre auch einer der Firma Benning.
Es gab nur wenige unbeschädigte Häuser, und da die Wohnungsnot groß war, lebten viele Menschen in Notunterkünften wie z.B. Gartenhäusern im KGV Große Dahlkamp, im Hansabunker an der Lambertistraße oder im Bootshaus an der Schillerbrücke, um nur einige zu nennen. Am Wiederaufbau beteiligten sich auch soziale Wohnungsunternehmen. Auch einige Traditionsgeschäfte starteten wieder, wie z.B. die Bäckerei Rott, Eisen Hoffmann, das Fahrradgeschäft Reinhold oder die Hansa-Apotheke.
Wunsch nach Geselligkeit
Und die Menschen wollten wieder Geselligkeit leben. Dazu trugen auch Gaststätten als Treffpunkte bei wie etwa das Alte Gasthaus Peters, der Gasthof Tebbe, Zum Alten Gottfried oder der Hubertihof. Kegel-, Gesangs- und Sportvereine wie z.B. Saxonia, Schützenvereine, z.B. Lamberti-Hansa, bildeten sich (wieder), auch kirchliche Verbände für Männer und Frauen, hauptsächlich in den 50er Jahren. In den 50/60er Jahren gab es auch die Sparclubs. Nicht zu vergessen: die Theaterabteilung der KAB startete 1949 neu, ab 1969 wurde daraus die heutige abm, die Amateurbühne MS-Ost e.V. Es war wieder Leben da.
Viele Nachfragen, Ergänzungen aus eigenem Erinnern und vor allem herzlicher Beifall für den Referenten, der sich als Autor des Buches „Die Wolbecker“ 1945 – 1970, einen Namen als Lokalforscher gemacht hat, rundeten den Nachmittag ab.
Text und Foto oben: Mariele Cordes





