Was ist ein pastoraler Raum?
Ein Pastoraler Raum ist ein Zusammenschluss mehrerer Pfarreien, die künftig enger zusammenarbeiten, ihre Ressourcen bündeln und gemeinsam pastorale Aufgaben wahrnehmen. Dabei bleiben die einzelnen Pfarreien weiterhin eigenständig. Der neugegründete Pastorale Raum Münster Süd-Ost umfasst die Pfarreien St. Petronilla Handorf, St. Nikolaus Wolbeck, St. Clemens Hiltrup und St. Mauritz.
Die Einrichtung von Pastoralen Räumen beschreibt das Bistum Münster als einen wesentlichen Schritt, um den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen und die Kirche zukunftsfähig zu gestalten.
Harte Fakten: Finanzen und Personal
- Sinkende Mitgliederzahlen: Die Zahl der Katholiken im Bistum Münster geht kontinuierlich zurück. Dies führt zu einer geringeren finanziellen Basis und erschwert die Aufrechterhaltung der bisherigen Strukturen.
- Finanzielle Herausforderungen: Für das Jahr 2025 wird für das Bistum Münster ein Haushaltsdefizit von 26 Millionen Euro prognostiziert. Die Hauptgründe hierfür sind die hohe Inflation, steigende Ausgaben und zurückgehende Katholikenzahlen. Um diesem Defizit entgegenzuwirken, wurden bereits Einsparungen von 32,7 Millionen Euro im Vergleich zum Haushaltsplan 2020 angestrebt.
- Personelle Veränderungen: Die Zahl der Priester und Hauptamtlichen in der Seelsorge nimmt ab. Es ist schon jetzt nicht mehr möglich alle freiwerdenden Stellen in der Seelsorge neu zu besetzen.
Was passiert im pastoralen Raum?
Letztlich soll die Struktur des Pastoralen Raumes dazu dienen, dass die Vielfalt des Kirchlichen Lebens im Süd-Osten von Münster erhalten, gefördert und weiterentwickelt werden kann. Das betrifft die Gemeinden vor Ort, die nach wie vor für viele Menschen eine Heimat und einen Identifikationsort darstellen. Ebenso gibt es Initiativen, die über den eigenen Kirchturm hinaus aktiv sind. Sie haben die Mitgestaltung von Stadtvierteln im Blick, engagieren sich konfessions- und religionsübergreifend für Menschen in bestimmten Altersgruppen und gehen im caritativen Engagement neue Wege. In unserer Pfarrei haben wir Wortgottesfeiern, die von ehrenamtlich tätigen Gemeindemitgliedern geleitet werden, als eine wertvolle Liturgieform entdeckt. Wir merken, dass sich auch ohne den pastoralen Raum bereits vieles verändert.
Für alle diese Aktivitäten kann der Pastorale Raum ein Ort des Austausches und der Ermutigung sein, dass wir auch in unseren lokalen Zusammenhängen als Christen nicht allein unterwegs sind.
Warum besprechen wir die Themen, die uns alle betreffen, nicht einmal gemeinsam und nutzen unsere gesammelten Erfahrungen nicht, um vieles noch besser zu machen?
Am 1. Januar 2026 wird ein Leitungsteam seine Arbeit aufnehmen, um all dies zu bündeln und zu koordinieren. Es setzt sich zusammen aus einem der leitenden Pfarrer der Pfarreien, einer Vertretung der Pastoralreferent*innen, zwei ehrenamtlichen Mitgliedern und dem neuen Verwaltungsleiter. Diese Personen arbeiten gleichberechtigt miteinander. Ergänzend dazu wird ein Rat des Pastoralen Raumes gebildet, in dem alle Pfarreien vertreten sind.
Durch die Einrichtung der Stelle eines Verwaltungsleiters sollen die in der Seelsorge tätigen Personen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Dies kann z.B. Personalverantwortung für das in der Kirchengemeinde angestellte Personal sein, Verwaltungsunterstützung bei der pastoralen Arbeit oder die Unterstützung bei der Entwicklung von Finanz- und Immobilienkonzepten in der Zusammenarbeit mit den Kirchenvorständen sein.
Ziele und pastorale Schwerpunkte
- Gemeinsam Kirche sein: Die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen wird intensiviert, um ein vielfältiges und bedarfsgerechtes Angebot an Liturgie, Verkündigung und Caritas zu gewährleisten.
- Engagement fördern: Ehrenamtliche werden ermutigt und qualifiziert, ihre Gaben in die Gemeinschaft einzubringen und so das kirchliche Leben vor Ort lebendig zu gestalten.
- Kirche im Dialog: Der Pastorale Raum sucht den offenen Austausch mit der Gesellschaft, anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften und gestaltet das Miteinander in der Stadt aktiv mit.
Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?
Für viele Gemeindemitglieder stellt sich die Frage: Wie finde ich mich im neuen Pastoralen Raum zurecht? Wo ist mein Ansprechpartner? Wie bleibt meine Gemeinde ein lebendiger Ort des Glaubens?
Die Einrichtung des Pastoralen Raumes Münster Süd-Ost ist ein mutiger Schritt – aber einer, der offene und kritische Auseinandersetzung braucht. Die Kirche in Münster steht im Umbruch, und alle sind eingeladen, diesen Prozess mitzugestalten: Hauptamtliche, Ehrenamtliche und alle Gläubigen.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die neue Struktur tatsächlich eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit ist oder ob noch nachgebessert werden muss.



